Das starke Geschlecht

 

Es vergeht in meinem Leben kein Tag, an dem ich mich nicht mindestens 1.000-mal frage: Warum?
Vielleicht bin ich beim Intellekt einer 2-jährigen hängen geblieben und kapier es einfach wirklich nicht. Oder ich möchte vieles einfach nicht wahrhaben – gesellschaftliche Konventionen die ich einfach nicht verstehen kann.
Bereits in Schulzeiten war ich nie diejenige, die sonderlich viele Freunde hatte. Ich hatte eine oder vielleicht zwei und gut war’s. Das zog sich so durch mein ganzes Leben. Und jetzt, wo ich erwachsen bin, ist es immer noch so, dass ich die Gesellschaft von zu vielen Leuten auf einem Haufen eher meide. Mir ist es schlichtweg zu mühsam mich in eine Gruppe von Menschen zu integrieren.
Schon in der Schule gibt es diese „Cliquen“ die immer gemeinsam Hausaufgaben machen, sich danach treffen zum Schminken, um sich die Haare zu bürsten, sich die Nägel zu lackieren und sich kleidungstechnisch auszutauschen, damit man ja nicht zweimal mit dem selben Top gesehen wird. Man spricht sich bei allem ab, was man macht und vor allem mit wem man was macht. Denn wenn die beste Freundin den Typen nicht mag, auf den man voll steht, dann ist er wahrscheinlich auch wirklich scheiße.
Nach der Schulzeit verlieren sich echte Mädls natürlich nicht aus den Augen. Die What’s App Gruppe oder Snapp-Chat werden regelmäßig mit den aller neusten und wichtigsten Infos versorgt, damit jedes Mädl immer auf dem neuesten Stand ist. Es werden Mädls-Stammtische, Brunch-Vormittage und überlustige Polter- und Geburtstagsrunden einberufen, wo man dann feiert, wie super lieb das man sich doch hat – auch noch nach all den Jahren und der Entfernung.
Bei diesen öffentlichen Auftritten dürfen gewiss Mädls-Markenzeichen nicht fehlen: gleiche Freundschaftsarmbänder, lustige Shirts mit persönlichen Aufdrucken oder, für die echt krassen Mädls, Freundschaftstattoos.
Dann kommt im Leben der meisten Frauen die Zeit, in der sie anfangen zu heiraten und eine Familie gründen. Echte Mädls werden klarerweise zur selben Zeit schwanger (oder zumindest mit einem Respektsabstand von nur wenigen Wochen). Schließlich möchte man den ach so wunderschönen Bauch ja gemeinsam herzeigen und gemeinsam Schwangerschafts-Sachen shoppen gehen. Die Kinderzimmer müssen ja auch noch gemeinsam geplant und gestaltet werden.
Wenn dann die lieben Kleinen da sind, werden regelmäßig Mami-Tage einberufen. In der Karenz hat man ja massig Freizeit und endlich wieder mehr Zeit für seine Mami-Mädls. Die Kinder werden selbstverständlich zwangsverfreundschaftlicht, denn in dem Alter, wissen sie es ja noch nicht besser und werden dann auch Freunde fürs ganze Leben.
Auch später noch, wenn die Kinder größer werden, treffen sich Mädls zu Sportnachmittagen. Es ist immerhin essentiell, dass sich eine mindestens 5cm breite Kluft zwischen den Oberschenkeln auftut und das niemand sieht, dass hinter dem straffen Sixpack vorübergehend mal ein Baby gewohnt hat. Schließlich möchte man ja bei diversen Feiern mit seinen Mädls in das gleiche Dirndl passen, wie mit 20 Jahren – da hat man sich ja gemeinsam eingekleidet.

Weiter bin ich noch nicht mit meiner Eigen-Recherche, bin ja immerhin selbst erst 30 und a bissl was.