Warum bloß ich?

Diese Frage haben sich wahrscheinlich schon viele Eltern gestellt, wenn das Neugeborene mal wieder die ganze Nacht durchbrüllt, ohne ersichtlichen Grund. Wenn die Augenringe der Eltern dunkler sind, als ein Stück Kohle. Wenn das bloße Atmen eines anderen Menschen einen auf die Palme bringt.
Warum ist mein Kind bloß so unglaublich anstrengend?
Hierzu meine Theorie, wie Eltern zu ihren Babys kommen bzw.  umgekehrt, die Babys zu den Eltern.
Frau wird schwanger, Frau freut sich. Frau durchlebt (wie in dem vorvorigen Artikel) den Horror, ich meine natürlich die Freude, einer Schwangerschaft und dann kommt der Augenblick der Geburt.
Währenddessen sitzen Hunderte, Tausende und Abertausende kleine Babys oben im  Himmel beim Himmelvater auf ihren Wölkchen und es wird eifrig diskutiert. Man kann sich das vorstellen wie bei einer Auktion.
Der Himmelvater zeigt auf einem 86 Zoll Flat Screen ein Paar, also eine Mami und einen Papi und fragt dann die anwesenden Babys, wer denn Lust hätte, in diese Familie zu kommen.
Die Babys müssen sich das ganz genau überlegen, denn dies ist die wichtigste Entscheidung in ihrem Leben.
Jetzt erscheint auf der Bildfläche ein Paar, ein junges Ehepaar. Der Vater 2m groß, stattlich gebaut, ein sehr kluger und fleißiger Mann. Daneben seine Frau, 1,5m misst sie nur vom Kopf bis zu den Sohlen, sehr liebevoll und fürsorglich.
Die Babys reiben sich die Hände, alle sind bereit, auf den Buzzer zu drücken um ausgewählt und zur Erde geschickt zu werden.
Doch das Filmchen geht noch weiter: Dieser Mann und diese Frau sprechen fließend Sarkasmus, nehmen gern mal die Leute in ihrem  Umfeld auf die Schaufel.
Genießen ist für sie ein Fremdwort. Ungesunde Lebensmittel werfen sie sich in den Schlund wie andere die Bananenschale in den Biomüll. Von zusammenräumen und putzen im Haus halten beide nicht sonderlich viel, „das stärkt das Immunsystem“ sagen sie. Es wird gespart wo es nur geht, die Sachen im Kinderzimmer sind alle gebraucht, nichts wurde neu angeschafft. Gratis Essenseinladungen nehmen sie gerne an.
Der Geräuschpegel im Himmel wird leiser und leiser. Die anfängliche Euphorie der Babys verstummt. Die kleinen Händchen mit welchen sie die Buzzer halten, sinken am Körper entlang hinab. Und als der Himmelvater fragt: „So, es ist jetzt so weit, wer will?“, Stille. Und noch einmal: „Es muss jetzt eines von euch runter, also wer geht?“.
Ganz hinten, eine unsichere Stimme, sagt: „Na gut, ich gehe!“. Und schwupp die wupp ist er auch schon am Weg zur Erde.
Als er wieder zu sich kommt, hält ihn seine Mama im Arm. Sie schaut ihn mit Tränen in den Augen an, neben ihr Papa. Auch sichtlich gerührt.

Und auch wenn sie nicht perfekt waren, der kleine Junge dankte dem Himmelvater jeden Tag für seine liebevolle Mutter und seinen fleißigen Vater, die ihm alles an Liebe schenkten, die sie hatten.