Werbung bringt’s

Eine ganz einfache Frage: Worum geht’s im Leben?
Und die genauso einfache Antwort dazu: um Perfektion!
Ist doch ganz simpel. Deshalb bin ich hier und heute auch schon wieder am Ende meines Artikels… nicht nämlich!
Zu diesem Thema könnte man zig verschiedene Geschichten schreiben und alle mit dem gleichen Hintergrund: das dieses Wort „Perfektion“ einfach mal kompletter Blödsinn ist und im allgemeinen Sprachgebrauch nichts verloren hat.
Von überall werden wir Menschen überflutet mit Werbung in unterschiedlichster Form. Plakate, Flyer, Homepages, Bilder auf diversen Sozialen Medien, im Radio, Fernsehen, in der Zeitung. Beim Warten auf Bus / Bahn / U-Bahn, beim Durchblättern einer Broschüre beim Arzt und auch während eines spannenden Films. Wo man hinschaut es geht einzig und allein darum sein Produkt und seine Dienstleistung in den Vordergrund zu stellen und mit allen Mitteln aufzufallen.
Gut, dagegen hab ich jetzt ja nichts. Macht ja auch Sinn zu werben. Wer nicht wirbt, der stirbt – so sagt man doch.
ABER, und jetzt kommt mal wieder etwas was ich nicht verstehe: Warum werben ausnahmslos alle mit dieser ganz offensichtlich gestellten Perfektion?
Eine Make-Up Werbung zeigt Frauengesichter ohne auch nur eine einzige, sichtbare Pore. Der Autohersteller baut Glanzeffekte ein, sogar bei den Reifen. Bei Bildern von Fast Food werden extra Food-Stylisten eingestellt um das Produkt in Szene zu setzen. Überall wo man hinschaut nur fiktive Bilder, bei denen die Computer-Kunst bis an ihre Grenzen geht um Produkte / Dienstleistungen bestmöglich zu verkaufen.
Ich selbst komme aus dem Tourismus bzw. der Gastronomie (beruflich – ist ja weder ein Land noch ein Ort). Und logischer Weise ist es auch in dieser Branche Gang und Gebe, dass man ein gutaussehendes Paar an einen makellos gedeckten Tisch setzt, beide übernatürlich strahlen und das Essen auf den Tellern millimetergenau angerichtet wurde – am besten mit Lineal und Zirkel. Überall wird diese Perfektion vorgegaukelt.
Wie wäre es mit einem etwas anderen Bild: ein älterer Mann mit langem, weißen Bart sitzt an einem Tisch. Er trägt ein Hemd, eine Lederhose aber dafür nicht mehr alle Zähne im Mund und vor ihm steht eine riesen Schüssel Gulasch. In der einen Hand hält er einen klobigen Löffel und in der anderen einen großen Brocken Brot. Er lacht in die Kamera. Seine Serviette, die er vorne ins Hemd gesteckt hat, ist bereits rot eingefärbt, ebenso wie sein Bart.
Bei Bildern von Wellness-Bereichen liegen immer zwei bis vier schöne Menschen mit einem makellosen Körper in den Liegen oder schwimmen erhobenen Hauptes durch das angenehme Nass. Die Wasseroberfläche sollte dabei am besten überhaupt keine Wellen aufzeigen sondern glatt sein wie ein Baby-Popo.
Vielleicht würde sich die 87-jährige Erna, mit ein paar Krampfadern, einer Badehaube und einem viel zu kleinen Badeanzug auch über einen Werbeauftritt freuen. Oder das 16-jährige Mädchen, das versucht einen Jungen zu beeindrucken und deshalb vollgeschminkt ins Wasser springt, sodass der Mascara verläuft und über ihr Gesicht rinnt…
Mir ist bewusst, dass niemand solche Motive oder Bilder hernehmen würde um sein Unternehmen zu bewerben. Schließlich möchte sich kein Betrieb in der Öffentlichkeit lächerlich machen und so vielleicht in aller Munde sein.