Der letzte Kampf

Es war unsere letzte große Herausforderung. Der letzte Kampf, welcher uns endlich Frieden auf der Welt bringen würde. Wunderwuzi, Ibins, Zork, Gürteltier und ich, Bambi, standen am Hafen der Düstermarschen und waren bereit, der Brutmutter des Drachenschwarms gegenüber zu treten und unser Versprechen beim König von Sturmwind zu halten.
„Für einen Urlaub könnte ich mir auch ein schöneres Land vorstellen“, spaßte Ibins, während er mit einem sorgenvollen Blick in die lange Dunkelheit des Waldes starrte.
Ein beklemmendes Gefühl machte sich breit, in mir stieg große Angst hoch, wie ich sie nie zuvor vor einem Kampf gespürt hatte. „Bambi, schlag dir deine Zweifel aus dem Kopf!“, hörte ich eine Stimme unter mir. Wunderwuzi kannte mich sehr gut, er wusste, was in mir vorging und sah mir meine Sorgen an.
Unsere Reise durch den dunklen, unheimlichen Wald begann. Eine eisige Kälte umfing mich, je tiefer wir in dieses furchterregende Waldreich eindrangen. Kein Fünkchen Sonne gelangte durch die dichten Wolken, kein Licht, alles war unnatürlaich und fremd.
Gürteltier, unser furchtloser Magier vernahm aus der Ferne Schwingungen in der Luft die sich uns näherten - kein gutes Zeichen. „Leute, Obacht, es nähert sich ein Schwarm Jungtiere aus dem Norden.“. Unser Gnom-Krieger Wunderwuzi zückte sein Schwert, welches doppelt so groß war wie er selbst, ging furchtlos in Kampfposition und wartete darauf, der abscheulichen Brut den Gar aus zu machen.
Sie kamen näher, ein ohrenbetäubendes Kreischen ließ uns alle samt zu Boden sinken, es wurde lauter, immer schriller. Gürteltier und ich mussten die Kreaturen irgendwie aus der Luft abfangen und so schickten wir Zauber hinauf in den Himmel um sie zu verwunden. Sie fielen zu Boden und unsere drei Nahkämpfer Ibins, Zork und Wunderwuzi konnten den Schwarm vernichten.
„Zum Glück fallen diese Viecher um wie die Fliegen.“, lachte Wunderwuzi. In der Tat hatten wir schon sehr viele anspruchsvollere Gegner gehabt. Doch noch keinen wie die Brutmutter Onyxia selbst.
Langsam bahnten wir uns einen Weg durch das Dickicht, durch spitze, dornige Sträucher. Vornweg der Herr Gnom der uns den Weg frei machte.
Endlich tat sich der gigantische Eingang der Höhle auf. Diese war noch dunkler als der Rest dieses verfluchten Waldes, noch unheimlicher und aus ihr umfing uns der Gestank von vielen tapferen Kriegern die dort ihr Leben lassen mussten.
Wir hatten keine zehn Minuten Marsch hinter uns und sahen bereits aus der Ferne dieses Ungetüm – den Drachen Onyxia. Sie lag friedlich inmitten ihrer Behausung und schlief. Selbst in diesem wehrlosen Zustand machte sie einen bedrohlichen und furchteinflößenden Eindruck.
Gürteltier wusste was zu tun war und wies uns in die Kampf-Strategie ein.
Ich fiel in Trance, war starr vor Angst, wollte nichts falsch machen. Dann hörte ich plötzlich Gürteltier neben mir rufen „Wunderwuzi, go, go, go!“ Und da lief der Gnom mit seinen kurzen Beinchen mit voller Geschwindigkeit, erhobenem Schwert und Schild auf den schlafenden Drachen zu.
Sie richtete sich auf, erst jetzt konnten wir ihre gewaltigen Ausmaße sehen. Fasziniert starrte ich sie an und vergaß beinahe, Wunderwuzi mit heilenden Sprüchen zu belegen. „Bambi, los jetzt!“, schrie Gürteltier, „die Brut kommt!“. „Heilen, töten, heilen, töten, heilen, töten!“. Ich war am Verzweifeln. Ein tiefer Atemzug brachte mir Ruhe und ich fand meine Beherrschung wieder. Ich sah von hinten, wie die Nahkämpfer ihre Schwerter in den Leib des Giganten rammten, immer und immer wieder. Es vergingen etliche Minuten des Kampfes, des Heilens bis ihr Wunderwuzi nach einer gefühlten Ewigkeit endlich den Todesstoß versetzte.
Onyxia sank zu Boden, ihre starken Hinterbeine knickten zusammen wie dünne Strohhalme, die Vorderbeide konnten sie nicht mehr halten. Dann kehrte Stille ein.

Man hörte nur noch das Atmen von fünf tapferen Kämpfern, die es tatsächlich geschafft hatten, die Mutter des schwarzen Drachenschwarms und somit die Bedrohung der Welt zu vernichten.