Prost, Prost meine Herrn, Prost, Prost!

Wie der Großteil aller Menschen hab auch ich eine  Pubertät durchgemacht. Sprich: die Nacht zum Tag gemacht, Alkohol getrunken bis zum Verlust jeglicher Sinne und an den Wochenenden immer nur Vollgas gegeben.
Getrunken wurde prinzipiell an jedem Wochentag, zu jeder Uhrzeit und die Auswahl der Getränke war auch nicht sehr erlesen. „Trinkbar weil flüssig“ lautete das Motto und so konnte es schon mal vorkommen, dass Mama’s Kochrum (80%o) zum „vorglühen“ verwendet wurde.
Hier galt und gilt immer noch das ökonomische Prinzip: Minimaler Aufwand – maximaler Ertrag! Billig muss es sein, viel muss es sein, und es muss einen so richtig aus der Umlaufbahn beamen – mit einem Schlag. Wer nicht an der Bar schläft, in einer Lacke seines eigenen Erbrochenen, wird von den umstehenden Freunden und Barbesuchern gemobbt, bis man zumindest umfällt wie ein Brett.
Bei auftretenden Fragen wie: „Und, wie war’s gestern?“ gibt’s nur eine richtige Antwort: „Mir wurde erzählt…“. Niemals zugeben, selbst noch etwas zu wissen. Unschuldige, liebe Burschen im zarten Alter von 15 werden aufgrund des bösen Alkohols dazu genötigt, junge, hübsche Damen anzumachen, indem ihnen ein „Eh Schlampe, gemma ficken?“ entweicht.
Besonders belustigend fand ich auch immer, ich sag jetzt mal Kinder, im Alter von 14-15 Jahren, denen von Mama und Papa erlaubt wurde, bis Mitternacht weg zu bleiben. Tja und was passiert, wenn diese Deadline nicht eingehalten wird? Mama kommt im Bademantel in die Bar und zerrt einen an den Haaren heraus.
Deshalb immer zeitig beginnen sich zu besaufen, um spätestens um 00:00 Uhr irgendwo bewusstlos herum zu lungern. Start des Gelages im besten Fall um 16:00 Uhr, Höhepunkt des Alkoholspiegels um 19:00 Uhr (wo die ersten Bars dann erst öffnen), von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr kontinuierlich weiter trinken und zu guter Letzt: kompletter Verlust aller Sinne ab 22:00 Uhr. 22:00 Uhr ist allerdings, da sind wir uns sicherlich einig, noch nicht Mitternacht. Und auch, wenn Männleins und Weibleins scheintot herum vegetieren, nach Hause gehen ist nicht! Bis fünfzehn vor Geisterstunde wird irgendwo vorgeschlafen, dann schrickt man auf aus einem fast scheintoten Zustand, schaut sich um in der Bar, wo der Bär grad richtig am Steppen ist und beschließt dann nach Hause zu gehen, weil nichts mehr los ist und weil besagte Personen sich ja so langweilen.
Rückblickend kann ich sagen: Legendär und unvergesslich waren diese Abende / Tage nie – ich kann mich nämlich nicht mehr im Geringsten an etwas von damals erinnern.